Software-Abos selbst nachbauen: Der Prompt, mit dem Claude aus deiner Funktionsliste deine eigene App baut
Jede Software hat hunderte Funktionen, und du nutzt davon vielleicht fünf. Trotzdem zahlst du für alle. Als die Verlängerung meines MemberSpot-Accounts (einer Plattform für Online-Kurse, über 1.000 € pro Jahr) anstand, habe ich mir kurzerhand meinen eigenen Mitgliederbereich gebaut. Dafür habe ich keine einzige Zeile Code selbst geschrieben und nur beschrieben, was ich will.
Seitdem mache ich das immer so: Ich schreibe auf, was ich von einem Tool wirklich nutze, gebe Claude genau diese Liste und lasse mir eine App bauen, die nur das kann. So sind mein ManyChat-Ersatz entstanden, der Instagram-Kommentare automatisch mit einem Link beantwortet (und dir vermutlich gerade den Link zu dieser Seite geschickt hat), und meine eigene Teleprompter-App für die iPhone-Aufnahme meiner Reels.
Auf dieser Seite bekommst du den Prompt dafür, eine Mini-Anleitung zum Start und die Stolperfallen, die ich dabei gelernt habe. Du brauchst keine Programmierkenntnisse. Deine Aufgabe ist es, genau zu sagen, was du brauchst.
Das bekommst du am Ende
- ✅ Eine eigene kleine App, die genau die Funktionen hat, die du wirklich nutzt, und sonst nichts
- ✅ Weniger Ballast: keine hundert Menüpunkte, die du nie anfasst
- ✅ Deine Daten bei dir statt bei einem Anbieter, den du jeden Monat bezahlst
- ✅ Einen Plan für den Wechsel, damit du erst kündigst, wenn alles läuft
Das brauchst du
- 💻 Einen Computer (Mac oder Windows) für die Claude-Desktop-App
- 🤖 Ein bezahltes Claude-Abo. Claude Code, der Teil von Claude, der Programme für dich baut, ist im kostenlosen Plan nicht enthalten. Welcher Plan genau reicht, steht bei Anthropic und kann sich ändern.
- 📝 Ein Abo, das dich nervt und dessen Funktionen du aufzählen kannst
- ⏱️ Etwas Zeit: eine einfache App steht an einem Nachmittag, bis alles sitzt eher ein paar Tage. Mein Mitgliederbereich hat anderthalb Tage gedauert, mein ManyChat-Ersatz drei bis vier Arbeitstage, weil ich immer weiter verfeinert habe.
Welches Abo lohnt sich zum Nachbauen?
Nicht jedes Abo gehört ersetzt. Gut geeignet sind Tools, bei denen diese Punkte zutreffen:
- 👍 Du nutzt nur einen kleinen Teil der Funktionen.
- 👍 Im Kern ist es einfach: Daten rein, Anzeige oder Nachricht raus.
- 👍 Hauptsächlich du selbst (und vielleicht ein paar Kunden) nutzen es.
Lass lieber die Finger davon, wenn:
- ⚠️ das Tool Zahlungen abwickelt oder steuerlich relevant ist (zum Beispiel Buchhaltung und Rechnungen). Dafür gibt es gesetzliche Vorgaben, die eine selbstgebaute App leicht verfehlt.
- ⚠️ viele andere Systeme daran hängen, die du nicht alle nachbauen willst.
- ⚠️ viele fremde Menschen es nutzen und du plötzlich Support machen müsstest.
Schritt 1: Deine Funktionsliste schreiben
Das ist der wichtigste Schritt, und er dauert zehn Minuten. Nimm das Abo, das du ersetzen willst, und schreib auf, was du wirklich benutzt, nicht, was es alles kann. Eine gute Liste ist kurz und konkret. Mein Beispiel für ManyChat:
- Jemand kommentiert ein Stichwort unter mein Reel.
- Die Person bekommt automatisch eine Nachricht mit meinem Link.
- Der Link kommt erst, wenn die Person mir folgt.
- Ich sehe, wie oft die Nachricht verschickt und geklickt wurde.
Mehr nicht. Alles andere, was ManyChat kann, habe ich nie gebraucht.
Du weißt nicht genau, was du nutzt? Dann lass dich von Claude interviewen. Kopiere diesen Text:
Ich zahle für [NAME DES ABOS] und möchte herausfinden, welche Funktionen ich davon wirklich nutze. Stell mir nacheinander einfache Fragen (immer nur eine auf einmal), zum Beispiel: Wofür öffne ich das Tool in einer normalen Woche? Was würde mir sofort fehlen, wenn es morgen weg wäre? Was habe ich noch nie angefasst? Fasse am Ende meine Antworten als kurze nummerierte Funktionsliste zusammen: nur das, was ich wirklich brauche, in einfachen Worten.
Schritt 2: Claude Code öffnen
Claude Code ist der Teil von Claude, der Dateien anlegen und Programme für dich bauen darf. Am einfachsten startest du ihn in der Claude-Desktop-App:
- Lade die Claude-Desktop-App von Anthropic herunter und melde dich mit deinem Claude-Konto an. Falls die App dich zum Upgrade auffordert, fehlt dir noch ein bezahlter Plan.
- Öffne in der App den Bereich „Code“.
- Lege auf deinem Rechner einen neuen, leeren Ordner für deine App an (zum Beispiel „Meine-App“) und wähle ihn aus. Dort legt Claude alles ab.
- Wähle in der Modellauswahl das stärkste verfügbare Modell. Bei mir läuft das mit Opus 5.5, dem aktuellen Claude-Modell. Welches Modell dein Plan bekommt, zeigt dir die App.
Wenn dir die Oberfläche anders aussieht als hier beschrieben, frag Claude einfach: „Führe mich durch die Einrichtung.“ Die Programme ändern sich öfter, Claude kennt den aktuellen Weg.
Schritt 3: Der Prompt für deine App
Jetzt kommt der Kern. Ersetze die Teile in eckigen Klammern durch deine Angaben, füge deine Funktionsliste aus Schritt 1 ein und schick den Text in Claude Code ab. Er sorgt dafür, dass Claude erst nachfragt, einen Plan macht und dann in kleinen Schritten baut, statt sofort loszuschreiben.
Ich zahle für [NAME DES ABOS] und nutze davon nur wenige Funktionen. Baue mir eine eigene kleine App, die genau diese Funktionen kann und sonst nichts. Ich bin kein Entwickler: Erkläre alles in einfachen Worten und sag mir, wo ich selbst etwas klicken oder eintragen muss. DAS NUTZE ICH WIRKLICH 1. [Funktion 1] 2. [Funktion 2] 3. [Funktion 3] (Alles, was hier nicht steht, brauche ich nicht. Bau es auch nicht "für später" ein.) WER NUTZT DIE APP [nur ich / ich und mein Team / auch meine Kunden] ARBEITSWEISE 1. Stell mir zuerst bis zu fünf Rückfragen, die du für den Bau brauchst (zum Beispiel: Welche Daten kommen rein? Wo soll die App laufen? Wer darf sie sehen?). Immer eine Frage nach der anderen. 2. Schlage mir dann in einfachen Worten einen Plan vor: Was kann die App, was kann sie bewusst nicht, und womit baust du sie? Wähle einen einfachen, günstigen Weg mit möglichst wenig Wartung. Warte auf mein OK, bevor du baust. 3. Baue die erste Version nur mit den Funktionen aus meiner Liste, in kleinen Schritten. Sag mir nach jedem Schritt, wie ich ihn ausprobieren kann. 4. Teste selbst, bevor du mir etwas zeigst, und sag mir ehrlich, was noch nicht funktioniert. 5. Sicherheit: Die App bekommt einen Login. Passwörter und Zugangsschlüssel dürfen nie in Dateien stehen, die veröffentlicht werden. Speichere persönliche Daten nur dort, wo ich es vorher bestätigt habe. 6. Hilf mir am Ende beim Wechsel: Wie exportiere ich meine Daten aus dem alten Tool, wie bekomme ich sie in die neue App, und was sollte ich zwei Wochen parallel prüfen, bevor ich das Abo kündige? 7. Erkläre zum Schluss, wie ich die App starte, wie ich Sicherungskopien mache und wie ich später etwas ändern lasse.
Schritt 4: Testen, bevor du kündigst
Kündige dein Abo nicht am ersten Abend. Ich mache es so:
- Eine Woche parallel nutzen. Alte und neue App nebeneinander, mit echten Aufgaben.
- Daten sichern. Exportiere alles aus dem alten Tool, bevor du es kündigst. Nach der Kündigung ist es oft zu spät.
- Lücken sammeln. Fehlt etwas, schreib es auf die Liste und lass Claude es nachbauen.
- Erst dann kündigen. Und zwar zum nächstmöglichen Termin, nicht überstürzt.
Die 6 Stolperfallen
- Zu große Liste. Wer alle Funktionen nachbauen will, wird nie fertig. Beschränke dich auf das, was du in einer normalen Woche wirklich anfasst.
- Ohne Plan losbauen. Lass Claude zuerst Rückfragen stellen und einen Plan zeigen. Das spart dir später Umbauten.
- Geheime Schlüssel im Klartext. Passwörter und Zugangsschlüssel gehören nie in Dateien, die du veröffentlichst. Der Prompt oben sagt Claude das, prüf es trotzdem.
- Keine Sicherung. Frag Claude gleich, wie du Sicherungskopien deiner Daten machst. Du bist jetzt dein eigener Anbieter.
- Persönliche Daten unterschätzen. Speicherst du Daten von Kunden, gilt der Datenschutz auch für deine App. Lass dir von Claude erklären, wo die Daten liegen, und prüfe das bei Bedarf mit einer Fachperson.
- Zu früh kündigen. Erst wenn die neue App eine Woche im Alltag bestanden hat.
Häufige Fragen
Was kostet das?
Du brauchst ein bezahltes Claude-Abo. Dazu kommen, je nach App, die laufenden Kosten fürs Hosting, also dafür, dass die App im Netz oder auf deinem Rechner läuft. Für kleine Apps reichen oft die Gratis-Stufen von Diensten wie Cloudflare oder Convex. Claude nennt dir die Kosten in seinem Plan, bevor es baut.
Stimmt es wirklich, dass die meisten Abos in ein paar Stunden nachbaubar sind?
Das sagen gerade viele in der Szene, und für einfache Tools stimmt es nach meiner Erfahrung. Für Tools mit vielen Anbindungen, Zahlungen oder tausenden Nutzern eher nicht. Ob sich dein Abo lohnt, siehst du an den drei Punkten im Abschnitt „Welches Abo lohnt sich zum Nachbauen?“.
Geht das auch mit einer anderen KI als Claude?
Ja, jeder KI-Coding-Agent, der Dateien anlegen und Programme ausführen darf, kommt in Frage. Der Prompt oben ist nicht an Claude gebunden. Ich arbeite mit Claude Code, weil ich damit die besten Ergebnisse habe.
Ich will sehen, wie so etwas Größeres aussieht.
Dann schau dir meine ausführliche Anleitung für den ManyChat-Ersatz an: Bye-bye ManyChat. Dort siehst du am Beispiel, wie ein vollständiger Prompt für ein größeres Projekt aufgebaut ist.
Keine Lust, das selbst zu bauen?
Verständlich 😄 In meiner kostenlosen Community kannst du jederzeit in einen bezahlten Plan (Premium oder VIP) upgraden. Dort findest du den Kurs „Nie wieder für Software zahlen“ mit meinen fertigen Setups, und Claude passt sie nur noch an dein Business an.
Und jetzt du
Nimm dir das Abo, das dich am meisten nervt, und schreib die fünf Funktionen auf, die du wirklich nutzt. Allein das ist schon aufschlussreich. Dann kopier den Prompt und lass Claude loslegen. Hör nicht auf die Zweifler, probier es einfach aus. Schreib mir danach auf Instagram, welches Abo du ersetzt hast. Ich freue mich über jede Nachricht. ❤️
PS: Falls du über „Kommentiere NACHBAUEN“ hierher gekommen bist – die DM kam von meinem selbstgebauten ManyChat-Ersatz. Wie du dir das baust, zeige ich dir in meiner kostenlosen Community: hier geht's direkt zum Video. 😉